Tagebuch Memoiren - Ein lückenhaftes Tagebuch von Paula, dem Wossi
Saturday, 03 October 2009 14:30
Vor ca. 2 Wochen telefonierte ich mal wieder mit meinem Schwesterlein Klara. Zunächst fragte ich eher so am Rande - die übliche Floskel eben - ob denn alles Friede, Freude, Eierkuchen sei.... "Ach hör auf", erwiderte Klara in jämmerlichem Tonfall, "seit ein paar Tagen ist alles nur noch Eierkuchen! Nichts mehr Friede oder gar Freude. Nichts als Eierkuchen, die einem samt Bananen bereits aus den Ohren rauskommen..." Ich verstand zunächst überhaupt nichts, aber Klara weihte mich dann in die denkwürdigen Einkäufe des 19. September 2009 ein.
Hm... Früher jedenfalls, zur Zeit des Mauerfalls, da war die Banane noch ein Bindeglied zwischen Ost und West, im konkreten Fall zwischen einer einzelnen Ossi und einem einzelnen Wessi... Und heute ist sie offenbar zum Trennungsgrund geworden - mit anderen Worten zum Bananen Split !Sicher, unser griesgrämiger Dauerpessimist Manni hätte Glücklichmacher wie Bananen durchaus bitter nötig. Klara warf ihm wohl dieselben Argumente an den Kopf, mit dem Resultat, dass Manni ihr mitteilte, dass er sein Glück dann doch eher im Besuch der Banana Show in Amsterdam sehen würde... Banana Show in der Bananenbar! Kann mir lebhaft vorstellen, wie mein Schwesterherz ihrem Göttergatten mit ihrer eigens improvisierten Banana Show erst richtig eingeheizt hat, bis Manni sich dann ernsthaft gefragt haben muß, warum denn die verdammte Banane immerzu krumm ist...
Banana-Show - übersetzt Bananen Schau? Das hatten wir früher auch, ab und zu, meist kurz vor Weihnachten. Nur dass niemand so genau wußte, an welchem Ort die Schau gerade stattfinden würde.
Vielleicht sollte ich besser Bananen Ausschau sagen: Banana, please show up! Es war wirklich nicht immer einfach, die Lokalität für eine der seltenen Banana Shows zu ermitteln: Möglicherweise gleich bei "Tante Emma" um die Ecke, oder vielleicht im Konsum, in der HO oder gar in der Kaufhalle, zu der man erst 15min hinlaufen mußte? Ein Geheimtip deutete auch auf diesen tollen Obst- und Gemüseladen in der Nähe von Dresdens Fetscherplatz, welcher allerdings nur durch eine längere Straßenbahnfahrt zu erreichen war.... An welche der vielen langen Schlangen sollte ich mich nur anstellen, nur um später einen teuer erstandenen Frucht-Cocktail an der hauseigenen "Bananen-Bar" zu genießen? Immerhin stellte sich oft im Nachhinein heraus, dass man mal wieder an eine falsche Schlange geraten war! Frei nach dem Blindschleichen-Prinzip: Erst schleicht man wie alle anderen eine geschlagenen Stunde vorwärts bis zur Verkaufstheke, um dann festzustellen, dass alles nur blinder Alarm war!
Doch - wie inzwischen allgemein in der Nahrungsmittelindustrie üblich - konnte sich auch der DDR-Bürger uneingeschränkt mit Bananen-Imitaten trösten. Für einen ausgiebigen süßen Genuß - v.a. wenn es endgültig aus war mit der Aussicht auf eine richtige Banane - standen die Gelee- Bananen schließlich jederzeit bereit. Das erklärt wohl auch, warum diese standardmäßig Feuchthaltemittel enthielten, auf häufigen Wunsch hin auch Schokoladenüberzug.
Jedenfalls improvisieren und imitieren ist alles - gestern wie heute. Ein Banane, ob in Natura oder in einer ihrer Kunstformen, macht eben glücklich - logisch, bei soviel positiver Hormon - Ausschüttung!



























Comments
Habe gerade 5 Bananen verdrückt und bin jetzt satt zufrieden und gluecklich wie noch nie.
Dank 60 Jahre nicht mehr DDR kann man ja jetzt sogar Bananen-Wettess en veranstalten: Wer schafft die meisten? Keine Imitate, versteht sich.