Sunday, 21 February 2010 11:04
Mein Sohn, Du fragst mich, wie das Leben funktioniert,
Ich kann Dir sagen, dass man sich fast jeden Tag blamiert.
Jeder Fettnapf hier im Umkreis ist für uns nur reserviert
Wir fühl’n uns oft im Unrecht, und dann schrein wir ungeniert.
Mein Sohn, wir zwei sind anders als die meisten Menschen hier,
doch immerhin, ein schwacher Trost, wir können nicht’s dafür.
Die Art, wie wir die Dinge sehn, ist etwas sonderbar,
Und mit dem Trott des Alltags kommen wir so oft nicht klar.
Mein Sohn, wir beide können niemals ruhig sitzen bleiben
Und keine schönen Buchstaben auf weiße Blätter schreiben,
Wenn Du mich fragst, warum Du Hausaufgaben machen mußt
Hätt’ ich so gern ein Argument, das überzeugt, gewußt.
Mein Sohn, doch glaub’ mir, ein Versager bist Du nicht,
Mit großen, wachen Augen in dem „cleveren Gesicht“
Erzählst Du mir Geschichten mit unheimlich' Fantasie
Du baust die tollsten Ritterburgen – bist ein richtiges Genie.
Mein Sohn, Du siehst mich manchmal weinend und in Not,
dann willst Du für mich kämpfen, sagst: „Ich schlag’ die alle tot“
und Deine guten Geister helfen Dir als edlem Ritter,
ich muß auf einmal schmunzeln, und es ist nicht mehr so bitter...
Mein Sohn, wir haben blaue Flecke, ecken täglich an,
und fordern, dass man scharfe Kanten " runderneuern" kann
Ich kann Dir auch nicht böse sein, wenn Du den Saft verspritzt
Wir beide sind ja schließlich aus dem gleichen Holz geschnitzt.
Mein Sohn, ich kenne Zeiten, da kannst Du mich nicht „verknusen“
Dann bist Du wieder anschmiegsam, willst immerzu nur schmusen.
Ich kann Dich gut verstehen, fühl’ mich selber so getrieben
Ich bin so voller Frust und will doch eigentlich nur lieben.
Mein Sohn, ich habe keine Ahnung, wie man sich verhält….
um zu sein die „gute Mutter“ in den Augen dieser Welt.
Vieles ist nicht bös gemeint und geht dann doch daneben,
Eins ist sicher, jeden Tag...
... Werd' ich Dir meine Liebe geben!



























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